|
Die Ozeane nehmen immer mehr Kohlendioxid auf. Welche Auswirkungen hat das? |
|
|
|
Das Weltmeer nimmt im globalen Klimasystem eine Schlüsselstellung ein.
Es enthält 50-mal mehr Kohlendioxid als die Atmosphäre und "schluckt"
alljährlich ein Drittel dieses vom Menschen produzierten
Treibhausgases. Damit dämpft der Ozean zwar den Treibhauseffekt.
Gleichzeitig verändert sich aber die Chemie des Meeres: Der pH-Wert des
Wassers sinkt; der Ozean wird allmählich saurer. Die Folge: eine
verringerte Aufnahmekapazität für das Klimagas Kohlendioxid. Das
bedeutet aber nicht, dass das Weltmeer den Treibhauseffekt zukünftig in
geringerem Mass dämpft, denn auch die biologischen Abläufe verändern
sich. Dies betrifft vor allem die winzigen Kalkalgen im Meer. Ihnen
fällt es im saureren Millieu immer schwerer, einen schützenden
Kalkpanzer aufzubauen. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts
(AWI) schätzen, dass die Kalkproduktion im Ozean bis 2100 auf 60 bis 70
Prozent des vorindustriellen Werts zurück geht. Weil Kalkalgen aber
Kohlendioxid ins Meerwasser abgeben, wenn sie ihre kalkige Hülle
aufbauen, ergibt sich ein gegenläufiger Effekt. Weniger Kalkalgen
bedeuten naturgemäß weniger CO2-Abgabe. So wird im Ozeanreservoir mehr
Platz für die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre geschaffen.
"Im Vergleich zu einer konstanten biologischen Kalkproduktion könnten
unseren Modellrechnungen zufolge im Laufe dieses Jahrhunderts bis zu
110 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zusätzlich aufgenommen werden",
stellt AWI-Forscher Ulf Riebesell fest.
|