"....wo sind sie geblieben?"
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , Abteilung Meeresbiologie, Universität Wien

Eine der häufigsten Fragen, die mir von Studenten gestellt werden, ist: "Was passiert mit den österreichischen Meeresbiologen, wenn sie ihr Studium beendet haben?". In dieser Serie unseres Newsletters sollen sie es selbst beantworten. Selbstverständlich schlagen nicht alle eine Karriere in Meeresbiologie ein, die es doch bedingt das Heimatland zu verlassen und in Ländern mit Meeresküsten Arbeit zu suchen. Ein Teil unserer Absolventen findet mit der guten Ausbildung, die sie während Diplomarbeit oder Dissertation genossen haben, einen Job in anderen Berufen. Hier sollen aber jene zu Wort kommen, welche die Hartnäckigkeit und das notwendige Glück des Tüchtigen hatten, nicht von dem Traum zu lassen, der sie bewogen hat, dieses von vielen belächelte Studium in einem Binnenland einzuschlagen.

In der Serie soll nur von jenen die Rede sein, die in den letzten Jahren ihren Weg gefunden haben, dessen Anfang in einem der heimischen universitären Einrichtungen lag, welche Meeresbiologen ausbilden. Östereichische Meeresbiologen sind immer schon in Länder mit starker Meeresforschung ausgewandert und sind in wichtigen Positionen zu finden: Klaus Rützler als Kurator am National Museum of Natural History in Washington, Wolfgang Sterrer, der viele Jahre Direktor der Bermuda Biological Station war und heute die Naturhistorische Abteilung des Museums ebendort leitet, Gerhard Herndl als Leiter der Abteilung Biologische Ozeanographie des Netherland Institute of Sea Research, Bernhard Riegl an der Nova Southeastern University in Florida, Sascha Steiner, der eine Meeresstation auf Dominica gegründet hat oder Reinhard Kikinger, der eine Welle der wissenschaftlichen Betreuung von Tauchsportlern auf den Malediven ausgelöst hat - nur um einige der "älteren Generation" zu nennen (ich entschuldige mich bei allen, die hier ungenannt bleiben). Aber die Umstände dieser Karrieren waren andere, als sie heute herrschen und sie sind nicht unbedingt als Modell für die Möglichkeiten zu verwenden, die mit zunehmender Globalisierung heutigen Absolventen offen stehen. Also habe ich eine (sicherlich arbiträre) Grenze gezogen und nur jene aufgefordert, ihren Werdegang zu schildern, die heute das unsichere Leben als Post Doc führen oder erst wenige Jahre eine Anstellung mit Karriereaussicht haben.

In loser Folge werden wir in unserem Newsletter den "Marine Biologist of the Month" vorstellen. Den Anfang macht Mark Hartl, der gegenwärtig Lecturer an der University of Cork (Irland) ist:

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Mark Hartl

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Persönliche Website: http://zae.ucc.ie/hartl/mgjh3.htm

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Ich begann Anfang 1994 meine Diplomarbeit an der Abteilung Meeresbiologie unter der Betreuung von Jörg Ott und Christian Schiller. Ich arbeitete in einem Forschungsprojekt über Benthic-Pelagic Coupling in der Nordadria bei Rovinj mit. Das Thema, "Einfluss und mögliche Kontrolle von Nepheloidlayer Prozessen über einem seichten marinen Sediment durch die Ascidie Microcosmus sulcatus", erlaubte mir nicht nur mein Interesse an Ökologie und Physiologie zu vertiefen und mich in Richtung Ökophysiologie zu entfalten, sondern verlangte auch einiges an taucherischem Einsatz ("Husarenstückln", Anm. des Diplomarbeitsbetreuers). Auch meine ersten Publikationserfahrungen konnte ich so sammeln (Hartl & Ott, 1999).

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Kurz vor dem Abschluss 1996 hatte ich die Gelegenheit eines Voluntariats bei Scott Fowler vom Marine Environment Laboratory, IAEA, in Monaco. Ich habe meine Sachen gepackt und mich für sechs Monate an die Côte d'Azur begeben. Dort beschäftigte ich mich weiterhin mit Ökophysiologie und stellte die Weichen in Richtung Ökotoxikologie. Außerdem wurde mir der Umgang mit Radioisotopen vermittelt, ein Handwerk, das später sehr nützlich werden sollte. Das Projekt beschäftigte sich mit der Aufnahme von Schwermetallen durch die Muschel Macoma balthica und führte ebenfalls zu einer Publikation (Boisson et al., 1998).

Obwohl meine Teilnahme an diversen Auslandsexkursionen mit Jörg Ott und Gerhard Herndl meinen Horizont sehr erweitert hat, war es erst der Aufenthalt in Monaco, der mich mental für den Sprung ins Ausland vorbereitete. Diese positive Erfahrung hat mir das Selbstvertrauen verliehen, "kalt" eine Anfrage bei Paul Tyler am Southampton Oceanography Centre wegen einer Dissertantenstelle zu richten. Er hatte nichts für mich, da er sich hauptsächlich mit Reproduktionsbiologie beschäftigte, hat mich aber an einen Kollegen, Lawrence Hawkins, vermittelt. Dieser zeigte sich interessiert von meinen Vorstellungen für ein Dissertationsprojekt und bot mir eine Doktorandenstelle an. Nachdem ich nach Wien zurückgekehrt und meine Diplomprüfung absolviert hatte, bin ich Anfang 1997 nach Southampton übersiedelt, um meine Diss. in Angriff zu nehmen.

In Southampton fanden meine Erfahrungen mit Radioisotopen Anwendung bei der Untersuchung von Membranprozessen und deren Störung durch sediment-assozierte anthropogene Organozinnverbindungen. Ich konnte zeigen, dass Tributylzinn (TBT), ein Biozid, das in Antifoulinganstrichen für Boote und Schiffe Verwendung fand und sich im Sediment dauerhaft anreichert, die Ionenregulation und Membranpermeabilität von Kiemen der europäischer Flunder (Platichthys flesus) signifikant stört - TBT ist seit längerem auf Booten <25m verboten und ein generelles Verbot durch die IMO (International Maritime Organisation) sollte seit dem Vorjahr in Kraft sein.

Die Anatomie und Physiologie von Fischkiemen, sowie deren Rolle in der Ökotoxikologie verschiedenster Schwermetalle und organischen Verbindungen wurde während meines Aufenthalts in Southampton zum Schwerpunkt meiner Arbeit und hat eine Reihe von Publikationen hervorgebracht (Hartl et al., 2000a; Hartl et al., 2000b; Hartl et al., 2001a; Hartl et al., 2001b; Hartl et al., 2001c; Hartl et al., 2001d); im Oktober 2000 habe ich dann erfolgreich mein Rigorosum absolviert.

Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen für diverse Postdoc-Stellen, wurde mir der Gang ans Arbeitsamt erspart, als ich endlich in Cork Erfolg hatte. Anfang 2001 trat ich eine Stelle als "Postdoctoral Projectmanager" für BIOMASSTOX (Biomarker Model Systems for Sediment Toxicity) am University College Cork, unter der Leitung von John O'Halloran, an. Das Projekt, das sich gerade dem Ende zuneigt, beschäftigte sich mit der Muschel Tapes semidecussatus mit dem Ziel, auf allen Ebenen biologischer Organisation nach Biomarkern anthropogener Verschmutzung in den Sedimenten irischer Ãstuaren zu suchen. BIOMASSTOX umfasst, neben meiner Wenigkeit, sechs Kollegen, sowie 3 Doktoranden, die auf fünf Labors hier in Cork und Dublin verstreut arbeiten. Meine Aufgabe war es, unser Team puncto Laborexperimente und Feldarbeit zu koordinieren, sowie Daten zu sammeln, zu verarbeiten und diese zu publizieren (Coughlan et al., 2002; Lyons et al., 2003; Hartl et al., 2004). Inzwischen habe ich das Projekt auf den Steinbutt (Scophthalmus maximus) erweitert, dessen Ergebnisse ebenfalls publiziert werden (Hartl et al., in prep; Kilemade et al., submitted) bzw. sich noch in der Auswertung befinden.

Im Sommer 2003 wurde eine Lecturerstelle hier in Cork frei. Ich habe mich erfolgreich beworben und bin nun seit 1. October, 2003 Temporary Assistant Prof. an der Abteilung Zoology, Ecology & Plant Science. Meine Lehrtätigkeit umfasst Ökophysiologie/Ökotoxikologie, in diesem Zusammenhang auch Verhaltensmuster, biogeochemische Zyklen, sowie wissenschaftliche Kommunikation. Außerdem schreibe ich gelegentlich Buchkapitel (Hartl, 2002; Ni Shuilleabhain et al., 2003), review das eine oder andere Manuskript und bin dabei Forschungsgelder aufzutreiben, um mir eine eigene Arbeitsgruppe in Richtung Ökophysiologie und Ökotoxikologie hier in Cork aufzubauen.