Verein zur Förderung der Meeresforschung in Österreich
 
 
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Donnerstag, 19. Juli 2018
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Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können und Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können , Abteilung Meeresbiologie, Universität Wien

Eine der häufigsten Fragen, die an Jörg von Studenten gestellt wird, ist: "....wo sind sie geblieben? Was passiert mit den österreichischen MeeresbiologInnen, wenn sie ihr Studium beendet haben?". Hier ist nun die Fortsetzung dieser neuen Serie unseres Pro Mare-Newsletters, in der junge österreichische MeeresbiologInnen diese Fragen selbst beantworten. 

Selbstverständlich schlagen nicht alle eine Karriere in der Meeresbiologie ein, die es doch bedingt, das Heimatland zu verlassen und in Ländern mit Meeresküsten Arbeit zu suchen. Ein Teil unserer AbsolventInnen findet mit der guten Ausbildung, die sie während Diplomarbeit oder Dissertation genossen haben, einen Job in anderen Berufen. Hier sollen aber jene zu Wort kommen, welche die Hartnäckigkeit und das notwendige Glück der oder des Tüchtigen hatten, nicht von dem Traum zu lassen, der sie bewogen hat, dieses von vielen belächelte Studium in einem Binnenland einzuschlagen.

Im letzten Pro Mare-Newsletter (05/2004), in dem die neue Serie begonnen wurde, können Sie nachlesen, was uns dazu bewogen hat, die Auswahl an Berichtenden auf junge Post Doc´s oder auf diejenigen zu beschränken, die erst seit wenigen Jahren eine Anstellung mit Karriereaussicht haben. Diese neue Serie wurde im Pro Mare-Newsletter von Mark Hartl, der gegenwärtig Lecturer an der University of Cork (Irland) ist, begonnen und wird nun von Astrid Schnetzer fortgesetzt, die seit Februar letzten Jahres als Postdoctoral Research Associate der University of Southern California angestellt ist. Astrid hat uns keine Fotos von sich mitgesandt, was auch unnötig ist, denn es genügt der Verweis auf ihre wunderschöne homepage (http://www.usc.edu/dept/LAS/biosci/Caron_lab/astrid.html), wo aktuellste Fotos von ihr, ihren hochdiversen Untersuchungsobjekten und von ihrer Forschungsreise in die Antarktis zu bewundern sind. Vor kurzem war sie übrigens gerade wieder auf Forschungsreise, und zwar nahm sie an der "Extrem 2004 – Expedition zu den Tiefen der Ozeane" auf der R/V "Atlantis" teil. Bei dieser Expedition zu den mittelozeanischen Gebirgen des pazifischen Ozeans tauchte sie mit der "Alvin" zu den bis 2.500 m tief liegenden hydrothermalen Quellen, um dort das Leben an den heißen Quellen zu erforschen.

Auf dieser Forschungsreise traf sie übrigens auch unsere ProMare Präsidentin, Monika Bright. Da die Koffer, Zargesboxen und Kisten noch nicht einmal richtig ausgepackt sind, können Sie sich im nächsten ProMare Newsletter auf einen Bericht über diese ereignisreiche Forschungsreise freuen.

In den folgenden ProMare-Newslettern im Jahr 2005 können Sie sich weiterhin auf die Berichte von Martin Polz, Elisabeth Kaltenböck und Rainer Amon freuen, die ausführlich und in lockerer Art und Weise nicht nur die Frage: "....wo sind sie geblieben?" sondern auch die Frage "Warum sind sie es geworden?" für sich persönlich und für uns beantworten werden. Bleiben Sie schön neugierig !

zum Vergrößern anklicken

Astrid Schnetzer ist als Postdoctoral Research Associate der University of Southern California angestellt.

Persönliche Website: http://www.usc.edu/dept/LAS/biosci/Caron_lab/astrid.html

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Von der Nordadria (Mittelmeer) auf Bermuda (Nordatlantik), nach Los Angeles (Nordpazifik) und ein Abstecher in die Antarktischen Gewässer (Southern Ocean).... genau dies macht es so spannend in der Meeresforschung zu arbeiten. Walen jahrein und jahraus auf Segelschiffen zu folgen und ihr Verhalten zu studieren - das war die Berufsvorstellung die ich hatte als ich mein Interesse der Meeresbiologie zuwandte. Aber es brauchte nur meine Teilnahme an einem Kurs des Zoologischen Instituts der Uni Wien nach Rovinj (Kroatien) um meine Faszination von den Meeressäugern auf die unglaubliche Vielfalt der Organismenwelt in küstennahen Habitaten zu lenken. Dieses Interesse und ein brandneues Tauchzertifikat brachten mich für meine Diplomarbeit zurück nach Rovinj. Unter der Projektleitung von Dr. Jörg Ott unternahmen fünf Kollegen der Meereskunde in Wien und ich ein halbes Dutzend ein-bis zweiwöchige Forschungstrips an die Nordadria, wo wir untersuchten, wie sich die Sedimentation von Algenblüten auf die Lebensgemeinschaften im und auf dem Sediment auswirkt. Die Teilnahme an diesem Projekt hat in vieler Hinsicht den Grundstein für spätere Unternehmungen gelegt, da ich unter anderem Erfahrung in wissenschaftlichem Tauchen und der Anwendung analytischer Methoden sammelte.

Noch vor Abschluss meiner Diplomarbeit nahm ich an einem einmonatigen Sommerkurs an der Bermuda Biological Station for Research teil. Schon nach wenigen Tagen Aufenthalt und der Entdeckung der Organismenwelt der Sargassosee und der umliegenden Korallenriffe stand fest, dass dies und nur dies der richtige Ort Für eine Dissertation sein kann. Natürlich hatte das rein gar nichts mit dem subtropischen Klima zu tun (!) - ich hatte mein Herz an Open Ocean Zooplankton verloren. Dr. Gerhard Herndl erklärte sich bereit meine Dissertationsbetreuung zu übernehmen und drei Jahre später fand ich mich auf Bermuda wieder, wo es mir vergönnt war mit Dr. Debbie Steinberg an "vertically migrating crustaceans" zu arbeiten. Bis zur Hälfte aller planktonischen Organismen wandern bei Nacht an die Wasseroberfläche um zusätzliche Nahrung zu finden und bei Sonnenaufgang sinken sie auf mehrere 100 Meter Tiefe zurück, wo sie den Tag in Dunkelheit verbringen. Diese Migration findet alle 24 Stunden statt und viele Zooplanktonarten wie Schnecken, Pfeilwürmer, Quallen, Rippenquallen und Crustaceen sind daran beteiligt. Wissenschafter haben versucht dieses Phänomen zu erklären und höchstwahrscheinlich ist die Vermeidung von Fressfeinden wie Fischen, die ihre Beute mit den Augen ausmachen, einer der Hauptgründe für viele Tiere jeden Morgen in die Tiefe zurückzukehren. Für ungefähr zwei Jahre fuhr ich jeden Monat Für mehrere Tage mit der Weatherbird aus um während der Nacht Plankton zu sammeln das aus der Tiefe kommt. Ein Netz mit 2 m Durchmesser und 35 m Länge brachte in jedem Planktonzug Organismen an die Oberfläche die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Von Aallarven, Tiefseegarneelen, Drachenfischen, Anglerfischen bis zu bizarren Crustaceenlarven. Mit Abstand einer der tollsten Erfahrungen in meinem Leben. Meine Aufgabe war es zu untersuchen wie sich die Migration häufig vorkommender Arten auf den Material - und Energiefluss in der Sargassosee auswirkt und welche Beuteorganismen in erster Linie am Speiseplan stehen. Beuteorganismen - damit waren in erster Linie einzellige Algen und Protozoen (Ciliaten, Flagellaten) gemeint, die aufgrund ihrer geringen Größe oft schwer zu beschreiben oder zu untersuchen sind. Und dies brachte mich zu meiner momentanen Faszination an Organismen zu arbeiten), die wieder um einiges kleiner sind als Crustaceen.

Nach Abschluss meiner Dissertation gelang es mir ein Postdoktoratsstipendium (Erwin Schroedinger Stipendium) vom Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung zu erhalten. Das Stipendium ermöglicht Doktoranden neue Fertigkeiten an einer Auslandsuniversität zu erlernen und diese Fertigkeiten waren in meinem Fall molekulare Methoden zur Beschreibung von Biodiversität in Mikrobiellen Gemeinschaften - dies inkludiert Algen und Protozoa. In den letzten beiden Jahren habe ich nun das Handwerk des Klonen und Sequenzierens in Dr. Dave Carons Lab an der University of Southern California in Los Angeles erlernt und ich verwende diese Methoden in Kombination mit traditioneller Mikroskopie um Veränderungen in der Planktongemeinschaft in Abhängigkeit von Fressfeinden wie Crustaceen zu analysieren. Letzten Herbst habe ich in diesem Zusammenhang auch an einer Forschungsreise Richtung Antarktis teilgenommen, wo es galt mikrobielles Leben im Eis und Wasser zu beschreiben. Eine phantastische Reise - ich hatte keine Ahnung wie artenreich und atemberaubend Eis sein kann.

Seit Februar diesen Jahres bin ich nun als Postdoctoral Research Associate der University of Southern California angestellt und neben trophischen Studien widme ich mich der Untersuchung von küstennahen toxischen Algenblüten - wer weiß wohin es von hier aus noch gehen wird. Mein Job hat mich bis jetzt vom vertrauten Mittelmeer, zum Inselleben in "slow motion", zum hektischen Leben an der Küste von Los Angeles, zur respekteinflößenden Schönheit der Antarktis geführt ....immer wieder Überraschungen und immer wieder Staunen über die Vielfalt an Leben, die jedes dieser Ökosysteme birgt. Ich nehme jede Gelegenheit war mich auf Konferenzen mit Kollegen von der Uni Wien zu treffen und habe es mir zur Gewohnheit gemacht die Marine Department und ProMare Webpage in regelmäßigen Abständen zu besuchen. Jeder meiner Betreuer, Lehrer und Kollegen hat mir auf meinem Weg mit Rat und Tat zur Seite gestanden und ich möchte diese Gelegenheit nutzen um mich dafür zu bedanken. Immer mehr meiner eigenen Zeit ist nun dem Unterrichten und dem Mentoring von Undergraduates und Graduates gewidmet und ich versuche so gut ich kann meine Passion für die Meeresbiologie zu teilen.