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und
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, Abteilung Meeresbiologie, Universität Wien
Eine
der häufigsten Fragen, die an Jörg von Studenten gestellt wird, ist:
"....wo sind sie geblieben? Was passiert mit den österreichischen
MeeresbiologInnen, wenn sie ihr Studium beendet haben?". Hier ist nun
die Fortsetzung dieser neuen Serie unseres Pro Mare-Newsletters, in der
junge österreichische MeeresbiologInnen diese Fragen selbst beantworten.
Selbstverständlich
schlagen nicht alle eine Karriere in der Meeresbiologie ein, die es
doch bedingt, das Heimatland zu verlassen und in Ländern mit
Meeresküsten Arbeit zu suchen. Ein Teil unserer AbsolventInnen findet
mit der guten Ausbildung, die sie während Diplomarbeit oder
Dissertation genossen haben, einen Job in anderen Berufen. Hier sollen
aber jene zu Wort kommen, welche die Hartnäckigkeit und das notwendige
Glück der oder des Tüchtigen hatten, nicht von dem Traum zu lassen, der
sie bewogen hat, dieses von vielen belächelte Studium in einem
Binnenland einzuschlagen.
Im letzten Pro Mare-Newsletter (05/2004),
in dem die neue Serie begonnen wurde, können Sie nachlesen, was uns
dazu bewogen hat, die Auswahl an Berichtenden auf junge Post Doc´s oder
auf diejenigen zu beschränken, die erst seit wenigen Jahren eine
Anstellung mit Karriereaussicht haben. Diese neue Serie wurde im Pro
Mare-Newsletter von Mark Hartl,
der gegenwärtig Lecturer an der University of Cork (Irland) ist,
begonnen und wird nun von Astrid Schnetzer fortgesetzt, die seit
Februar letzten Jahres als Postdoctoral Research Associate der
University of Southern California angestellt ist. Astrid hat uns keine
Fotos von sich mitgesandt, was auch unnötig ist, denn es genügt der
Verweis auf ihre wunderschöne homepage (http://www.usc.edu/dept/LAS/biosci/Caron_lab/astrid.html),
wo aktuellste Fotos von ihr, ihren hochdiversen Untersuchungsobjekten
und von ihrer Forschungsreise in die Antarktis zu bewundern sind. Vor
kurzem war sie übrigens gerade wieder auf Forschungsreise, und zwar
nahm sie an der "Extrem 2004 – Expedition zu den Tiefen der Ozeane" auf
der R/V "Atlantis" teil. Bei dieser Expedition zu den mittelozeanischen
Gebirgen des pazifischen Ozeans tauchte sie mit der "Alvin" zu den bis
2.500 m tief liegenden hydrothermalen Quellen, um dort das Leben an den
heißen Quellen zu erforschen.
Auf dieser
Forschungsreise traf sie übrigens auch unsere ProMare Präsidentin,
Monika Bright. Da die Koffer, Zargesboxen und Kisten noch nicht einmal
richtig ausgepackt sind, können Sie sich im nächsten ProMare Newsletter
auf einen Bericht über diese ereignisreiche Forschungsreise freuen.
In den
folgenden ProMare-Newslettern im Jahr 2005 können Sie sich weiterhin
auf die Berichte von Martin Polz, Elisabeth Kaltenböck und Rainer Amon
freuen, die ausführlich und in lockerer Art und Weise nicht nur die
Frage: "....wo sind sie geblieben?" sondern auch die Frage "Warum sind
sie es geworden?" für sich persönlich und für uns beantworten werden.
Bleiben Sie schön neugierig !
Von
der Nordadria (Mittelmeer) auf Bermuda (Nordatlantik), nach Los Angeles
(Nordpazifik) und ein Abstecher in die Antarktischen Gewässer (Southern
Ocean).... genau dies macht es so spannend in der Meeresforschung zu
arbeiten. Walen jahrein und jahraus auf Segelschiffen zu folgen und ihr
Verhalten zu studieren - das war die Berufsvorstellung die ich hatte
als ich mein Interesse der Meeresbiologie zuwandte. Aber es brauchte
nur meine Teilnahme an einem Kurs des Zoologischen Instituts der Uni
Wien nach Rovinj (Kroatien) um meine Faszination von den Meeressäugern
auf die unglaubliche Vielfalt der Organismenwelt in küstennahen
Habitaten zu lenken. Dieses Interesse und ein brandneues
Tauchzertifikat brachten mich für meine Diplomarbeit zurück nach
Rovinj. Unter der Projektleitung von Dr. Jörg Ott unternahmen fünf
Kollegen der Meereskunde in Wien und ich ein halbes Dutzend ein-bis
zweiwöchige Forschungstrips an die Nordadria, wo wir untersuchten, wie
sich die Sedimentation von Algenblüten auf die Lebensgemeinschaften im
und auf dem Sediment auswirkt. Die Teilnahme an diesem Projekt hat in
vieler Hinsicht den Grundstein für spätere Unternehmungen gelegt, da
ich unter anderem Erfahrung in wissenschaftlichem Tauchen und der
Anwendung analytischer Methoden sammelte.
Noch
vor Abschluss meiner Diplomarbeit nahm ich an einem einmonatigen
Sommerkurs an der Bermuda Biological Station for Research teil. Schon
nach wenigen Tagen Aufenthalt und der Entdeckung der Organismenwelt der
Sargassosee und der umliegenden Korallenriffe stand fest, dass dies und
nur dies der richtige Ort Für eine Dissertation sein kann. Natürlich
hatte das rein gar nichts mit dem subtropischen Klima zu tun (!) - ich
hatte mein Herz an Open Ocean Zooplankton verloren. Dr. Gerhard Herndl
erklärte sich bereit meine Dissertationsbetreuung zu übernehmen und
drei Jahre später fand ich mich auf Bermuda wieder, wo es mir vergönnt
war mit Dr. Debbie Steinberg an "vertically migrating crustaceans" zu
arbeiten. Bis zur Hälfte aller planktonischen Organismen wandern bei
Nacht an die Wasseroberfläche um zusätzliche Nahrung zu finden und bei
Sonnenaufgang sinken sie auf mehrere 100 Meter Tiefe zurück, wo sie den
Tag in Dunkelheit verbringen. Diese Migration findet alle 24 Stunden
statt und viele Zooplanktonarten wie Schnecken, Pfeilwürmer, Quallen,
Rippenquallen und Crustaceen sind daran beteiligt. Wissenschafter haben
versucht dieses Phänomen zu erklären und höchstwahrscheinlich ist die
Vermeidung von Fressfeinden wie Fischen, die ihre Beute mit den Augen
ausmachen, einer der Hauptgründe für viele Tiere jeden Morgen in die
Tiefe zurückzukehren. Für ungefähr zwei Jahre fuhr ich jeden Monat Für
mehrere Tage mit der Weatherbird aus um während der Nacht Plankton zu
sammeln das aus der Tiefe kommt. Ein Netz mit 2 m Durchmesser und 35 m
Länge brachte in jedem Planktonzug Organismen an die Oberfläche die ich
noch nie zuvor gesehen hatte. Von Aallarven, Tiefseegarneelen,
Drachenfischen, Anglerfischen bis zu bizarren Crustaceenlarven. Mit
Abstand einer der tollsten Erfahrungen in meinem Leben. Meine Aufgabe
war es zu untersuchen wie sich die Migration häufig vorkommender Arten
auf den Material - und Energiefluss in der Sargassosee auswirkt und
welche Beuteorganismen in erster Linie am Speiseplan stehen.
Beuteorganismen - damit waren in erster Linie einzellige Algen und
Protozoen (Ciliaten, Flagellaten) gemeint, die aufgrund ihrer geringen
Größe oft schwer zu beschreiben oder zu untersuchen sind. Und dies
brachte mich zu meiner momentanen Faszination an Organismen zu
arbeiten), die wieder um einiges kleiner sind als Crustaceen.
Nach
Abschluss meiner Dissertation gelang es mir ein Postdoktoratsstipendium
(Erwin Schroedinger Stipendium) vom Fonds zur Förderung
wissenschaftlicher Forschung zu erhalten. Das Stipendium ermöglicht
Doktoranden neue Fertigkeiten an einer Auslandsuniversität zu erlernen
und diese Fertigkeiten waren in meinem Fall molekulare Methoden zur
Beschreibung von Biodiversität in Mikrobiellen Gemeinschaften - dies
inkludiert Algen und Protozoa. In den letzten beiden Jahren habe ich
nun das Handwerk des Klonen und Sequenzierens in Dr. Dave Carons Lab an
der University of Southern California in Los Angeles erlernt und ich
verwende diese Methoden in Kombination mit traditioneller Mikroskopie
um Veränderungen in der Planktongemeinschaft in Abhängigkeit von
Fressfeinden wie Crustaceen zu analysieren. Letzten Herbst habe ich in
diesem Zusammenhang auch an einer Forschungsreise Richtung Antarktis
teilgenommen, wo es galt mikrobielles Leben im Eis und Wasser zu
beschreiben. Eine phantastische Reise - ich hatte keine Ahnung wie
artenreich und atemberaubend Eis sein kann.
Seit
Februar diesen Jahres bin ich nun als Postdoctoral Research Associate
der University of Southern California angestellt und neben trophischen
Studien widme ich mich der Untersuchung von küstennahen toxischen
Algenblüten - wer weiß wohin es von hier aus noch gehen wird. Mein Job
hat mich bis jetzt vom vertrauten Mittelmeer, zum Inselleben in "slow
motion", zum hektischen Leben an der Küste von Los Angeles, zur
respekteinflößenden Schönheit der Antarktis geführt ....immer wieder
Überraschungen und immer wieder Staunen über die Vielfalt an Leben, die
jedes dieser Ökosysteme birgt. Ich nehme jede Gelegenheit war mich auf
Konferenzen mit Kollegen von der Uni Wien zu treffen und habe es mir
zur Gewohnheit gemacht die Marine Department und ProMare Webpage in
regelmäßigen Abständen zu besuchen. Jeder meiner Betreuer, Lehrer und
Kollegen hat mir auf meinem Weg mit Rat und Tat zur Seite gestanden und
ich möchte diese Gelegenheit nutzen um mich dafür zu bedanken. Immer
mehr meiner eigenen Zeit ist nun dem Unterrichten und dem Mentoring von
Undergraduates und Graduates gewidmet und ich versuche so gut ich kann
meine Passion für die Meeresbiologie zu teilen.
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