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Montag, 24. September 2018
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Forschungsreise zu den "cold seeps" im Golf von Mexico Drucken E-Mail

Dank einer Einladung von Prof. Dr. Charles R. Fisher, PennState University, hatte ich die Möglichkeit vom 24. August bis 8. September 2003 auf einem amerikanischem Forschungsschiff, der Seward Johnson II, zu arbeiten, um den Golf von Mexiko mit seinen Cold Seeps zu erkunden und natürlich vor allem um Material für die verschiedenen Projekte der Abteilung Meeresbiologie zu sammeln. Die Cold Seeps, mit ihren perfekt angepassten Bewohnern, sind ein faszinierender Lebensraum der Tiefsee und wurden erst in den 70er Jahren entdeckt.

Los ging es am 22. August in New Orleans, wo sich die kleine Gruppe von 12 Wissenschaftlern traf, um nach einem gemeinsamen Abend in der Stadt des Jazz, zum Hafen (Port Fourchon) zu fahren, um das Schiff zu entern.. So sah es am Anfang allerdings wirklich aus, bis das gesamte, v. a. wissenschaftliche Gepäck sicher im Inneren der Seward Johnson verstaut war und wir endlich in See stechen konnten. Unser Schiff, die Seward Johnson II ist 56 m lang, hat eine Höchstgeschwindigkeit von 11 Knoten und hat als wichtigstes Equipment ein bemanntes U-Boot an Bord, die Johnson-Sea Link

Die Johnson-Sea Link kann bis 1000 m tief tauchen und besteht aus einer Acrylkugel, die dem Piloten und dem leitenden Wissenschaftler, einen umfassenden Panoramablick erlaubt. Ein zweiter Pilot und ein weiterer Wissenschaftler befinden sich in der "Kammer", wo ein Videomonitor und seitliche Bullaugen für Aussicht sorgen.

Außerdem befinden sich am U-Boot verschiedenstes technisches Equipment, um das optimale Sammeln von biologischem Material und den dazugehörigen Daten zu gewährleisten, z.B. ein Greifarm, "Staubsauger", Planktonsammler, sowie Video- und Digitalkameras.

Schon beim Betreten des Schiffes und einem kurzem Rundgang war ich vollkommen von der Ausrüstung und Funktionalität des Schiffs fasziniert. Der Tagesablauf während dieser Cruise gestaltete sich fast immer ähnlich: um 8.00 Uhr trafen sich die im Dienst befindlichen Piloten und die Wissenschaftler zum Pre-dive-Meeting, in dem der folgende Tauchgang und die am Meeresboden zu erledigenden Arbeiten kurz zusammengefasst wurden. Punkt 8.15 Uhr verließen die 2 Piloten und die 2 am Vorabend ausgewählten Wissenschaftler die Launch und begaben sich in das U-Boot, welches mit einem Kran über das Deck hinaus ins Wasser gehoben wurde und dann in die Tiefe abtauchte.

Ca. 3 bis 4 Stunden später, in denen an Bord die Arbeit vom Vortag aufgearbeitet wurde, ertönte auf dem Schiff ein Alarm, der die Rückkehr des U-Boots ankündigte. Die Wissenschaftler versorgten daraufhin sofort die gesammelten Proben an Deck und begannen mit der wissenschaftlichen Arbeit. Am Nachmittag gab es dann gleich noch einen Tauchgang, der organisatorisch wie der Morgentauchgang ablief. Abends konnten dann diese Proben bearbeitet werden, und dies meistens bis spät in die Nacht. Gegen 23 Uhr traf man sich dann zur wissenschaftlichen Nachbesprechung, ging den Sammelplan des nächsten Tages durch und die 4 glücklichen Wissenschaftler, die am nächsten Tag den Morgen- und Nachmittagstauchgang bestreiten sollten, wurden ausgesucht. Ich hatte das Glück viermal von Chuck Fisher für Tauchgänge in der "Kammer" benannt zu werden. Am Anfang war ich natürlich nervös, da ich mir nicht vorstellen konnte, zu zweit auf diesem engen Raum, 4 Stunden am Meeresgrund zu verbringen. Aber sobald sich das U-Boot langsam und schwankend in die Luft erhob und mit einem nicht ganz sachten Klatscher aufs Wasser gesetzt wurde und wir begannen langsam ins Blau abzusinken, waren sämtliche Ängste vergessen. In der Kammer selbst führt man hauptsächlich Protokoll und kann ansonsten alles genau betrachten und beobachten: das Wasser verändert alle paar Meter seine Farbe und wird immer dunkler, Fische, Garnelen und die verschiedensten Schwebetiere tauchen vor den Bullaugen auf, und sobald das Wasser um einen ganz schwarz ist, sieht man die schönsten bioluminiszierenden Tiere.

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Nach ca. 1 Stunde ist man meist auf der vorgesehenen Tiefe von ca. 600- 700 m angekommen, die Scheinwerfer des U-Boots werden eingeschaltet und auf einmal sieht man die Oasen der Tiefsee: meterlange Felder mit Röhrenwürmern, die von Krebsen, Anemonen, Fischen, Garnelen und anderen Tieren bewohnt werden, und um die Austrittsstellen von Methangas und Öl angesiedelt sind (cold seeps), oder Tiefseekorallen und Gorgonien, in denen sich bunte Seesterne festhalten.

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Drei Stunden verbringt man dann am Meeresboden, nimmt Tier- und Bodenproben, misst verschiedene chemische Faktoren und kehrt hoffentlich mit reicher Beute zur Oberfläche zurück. Es ist ein unglaubliches und fantastisches Erlebnis.

Am 8. September und viele Seemeilen später legte eine nach drei Wochen ziemlich eingespielte Gruppe wieder im Hafen an und ich musste Abschied nehmen, von Leuten, die mir in dieser kurzen Zeit auf engem Raum, sehr ans Herz gewachsen waren. Und so kehrte ich dann glücklich und mit über 250 Bodenproben und einigen fixierten Röhrenwürmen bepackt nach Österreich zurück.

Zum Schluss, möchte ich mich noch bei Monika Bright und Chuck Fisher bedanken, die mir dieses wunderbare Erlebnis ermöglicht haben.


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04.2004