Dank einer Einladung von Prof. Dr.
Charles R. Fisher, PennState University, hatte ich die Möglichkeit vom
24. August bis 8. September 2003 auf einem amerikanischem
Forschungsschiff, der Seward Johnson II, zu arbeiten, um den Golf von
Mexiko mit seinen Cold Seeps zu erkunden und natürlich vor allem um
Material für die verschiedenen Projekte der Abteilung Meeresbiologie zu
sammeln. Die Cold Seeps, mit ihren perfekt angepassten Bewohnern, sind
ein faszinierender Lebensraum der Tiefsee und wurden erst in den 70er
Jahren entdeckt.
Los ging es am 22.
August in New Orleans, wo sich die kleine Gruppe von 12
Wissenschaftlern traf, um nach einem gemeinsamen Abend in der Stadt des
Jazz, zum Hafen (Port Fourchon) zu fahren, um das Schiff zu entern.. So
sah es am Anfang allerdings wirklich aus, bis das gesamte, v. a.
wissenschaftliche Gepäck sicher im Inneren der Seward Johnson verstaut
war und wir endlich in See stechen konnten. Unser Schiff, die Seward
Johnson II ist 56 m lang, hat eine Höchstgeschwindigkeit von 11 Knoten
und hat als wichtigstes Equipment ein bemanntes U-Boot an Bord, die
Johnson-Sea Link
Die
Johnson-Sea Link kann bis 1000 m tief tauchen und besteht aus einer
Acrylkugel, die dem Piloten und dem leitenden Wissenschaftler, einen
umfassenden Panoramablick erlaubt. Ein zweiter Pilot und ein weiterer
Wissenschaftler befinden sich in der "Kammer", wo ein Videomonitor und
seitliche Bullaugen für Aussicht sorgen.
Außerdem
befinden sich am U-Boot verschiedenstes technisches Equipment, um das
optimale Sammeln von biologischem Material und den dazugehörigen Daten
zu gewährleisten, z.B. ein Greifarm, "Staubsauger", Planktonsammler,
sowie Video- und Digitalkameras.
Schon
beim Betreten des Schiffes und einem kurzem Rundgang war ich vollkommen
von der Ausrüstung und Funktionalität des Schiffs fasziniert. Der
Tagesablauf während dieser Cruise gestaltete sich fast immer ähnlich:
um 8.00 Uhr trafen sich die im Dienst befindlichen Piloten und die
Wissenschaftler zum Pre-dive-Meeting, in dem der folgende Tauchgang und
die am Meeresboden zu erledigenden Arbeiten kurz zusammengefasst
wurden. Punkt 8.15 Uhr verließen die 2 Piloten und die 2 am Vorabend
ausgewählten Wissenschaftler die Launch und begaben sich in das U-Boot,
welches mit einem Kran über das Deck hinaus ins Wasser gehoben wurde
und dann in die Tiefe abtauchte.
Ca.
3 bis 4 Stunden später, in denen an Bord die Arbeit vom Vortag
aufgearbeitet wurde, ertönte auf dem Schiff ein Alarm, der die Rückkehr
des U-Boots ankündigte. Die Wissenschaftler versorgten daraufhin sofort
die gesammelten Proben an Deck und begannen mit der wissenschaftlichen
Arbeit. Am Nachmittag gab es dann gleich noch einen Tauchgang, der
organisatorisch wie der Morgentauchgang ablief. Abends konnten dann
diese Proben bearbeitet werden, und dies meistens bis spät in die
Nacht. Gegen 23 Uhr traf man sich dann zur wissenschaftlichen
Nachbesprechung, ging den Sammelplan des nächsten Tages durch und die 4
glücklichen Wissenschaftler, die am nächsten Tag den Morgen- und
Nachmittagstauchgang bestreiten sollten, wurden ausgesucht. Ich hatte
das Glück viermal von Chuck Fisher für Tauchgänge in der "Kammer"
benannt zu werden. Am Anfang war ich natürlich nervös, da ich mir nicht
vorstellen konnte, zu zweit auf diesem engen Raum, 4 Stunden am
Meeresgrund zu verbringen. Aber sobald sich das U-Boot langsam und
schwankend in die Luft erhob und mit einem nicht ganz sachten Klatscher
aufs Wasser gesetzt wurde und wir begannen langsam ins Blau abzusinken,
waren sämtliche Ängste vergessen. In der Kammer selbst führt man
hauptsächlich Protokoll und kann ansonsten alles genau betrachten und
beobachten: das Wasser verändert alle paar Meter seine Farbe und wird
immer dunkler, Fische, Garnelen und die verschiedensten Schwebetiere
tauchen vor den Bullaugen auf, und sobald das Wasser um einen ganz
schwarz ist, sieht man die schönsten bioluminiszierenden Tiere.
Nach
ca. 1 Stunde ist man meist auf der vorgesehenen Tiefe von ca. 600- 700
m angekommen, die Scheinwerfer des U-Boots werden eingeschaltet und auf
einmal sieht man die Oasen der Tiefsee: meterlange Felder mit
Röhrenwürmern, die von Krebsen, Anemonen, Fischen, Garnelen und anderen
Tieren bewohnt werden, und um die Austrittsstellen von Methangas und Öl
angesiedelt sind (cold seeps), oder Tiefseekorallen und Gorgonien, in
denen sich bunte Seesterne festhalten.
Drei
Stunden verbringt man dann am Meeresboden, nimmt Tier- und Bodenproben,
misst verschiedene chemische Faktoren und kehrt hoffentlich mit reicher
Beute zur Oberfläche zurück. Es ist ein unglaubliches und fantastisches
Erlebnis.
Am 8. September und viele
Seemeilen später legte eine nach drei Wochen ziemlich eingespielte
Gruppe wieder im Hafen an und ich musste Abschied nehmen, von Leuten,
die mir in dieser kurzen Zeit auf engem Raum, sehr ans Herz gewachsen
waren. Und so kehrte ich dann glücklich und mit über 250 Bodenproben
und einigen fixierten Röhrenwürmen bepackt nach Österreich zurück.
Zum
Schluss, möchte ich mich noch bei Monika Bright und Chuck Fisher
bedanken, die mir dieses wunderbare Erlebnis ermöglicht haben.
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