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Von österreichischen Riffen und österreichischer Riff-Forschung

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Unsere Heimat hat eine breites Spektrum fossiler Riffe anzubieten. Dazu gehören zum Beispiel die eher kleindimensionalen, schwamm- und korallendominierten Bioherme und Biostrome des Silur und Devon. Auffällig und hochinteressant sind auch die typischen Mounds des Jungpaläozoikums, die vor allem duch diverse Algen charakterisiert werden. In der Trias gibt es in Österreich spektakuläre Karbonatplattformen wie den Dachsteinkalk, die von ihrer Dimension her wohl am besten mit dem heutigen Großen Barriereriff vor Australien verglichen werden können, und in denen Korallen und Schwämme als prominente Riffbildner vertreten sind. Die von aberranten Muscheln dominierten Rudistenriffe der Kreide gehören zweifellos zu den aussergewöhnlichsten Biohermen der Erdgeschichte und sind zahlreich in den Kalkalpen zu finden. Die bekanntesten riffartigen Gesteine der jüngeren Erdgeschichte in Österreich werden zweifellos von den jungtertiären, durch coralline Rotalgen und Steinkorallen dominierten Leithakalken des Wiener und Steirischen Beckens gebildet.

Vom 30.-31. Mai hat am Geozentrum der Universität Wien der "First Austrian Reef Workshop" stattgefunden. Das Zielpublikum waren primär RifforscherInnen aus Österreich und ausländische KollegInnen, die an Riffen in Österreich arbeiten oder gearbeitet haben. Dementsprechend waren die meisten der etwa 50 TeilnehmerInnen aus Österreich, aber wir durften auch Gäste aus Italien, der Schweiz, der Slowakei, Polen und den USA begrüßen. Besonders erfreulich war, dass einige StudentInnen der Biologie und Paläontologie etwas zu dem Meeting beigetragen haben oder unter den interessierten ZuhörerInnen zu finden waren.

Nach ersten Rückmeldungen ist der Versuch, Bio- und GeowissenschaftlerInnen gemeinsam zu einer Tagung zu bringen, gelungen. Diese Mischung ist demnach sehr gut angekommen, sicherlich auch deshalb, weil durch die breite Themenpalette für Abwechslung gesorgt war. Die Beiträge der BiologInnen beschäftigten sich vorwiegend mit Korallenkrankheiten, der weltweiten Gefährdung der Riffökosysteme und der Biologie und Ökologie riffassoziierter Organismen. Die paläontologischen Beiträge brachten vor allem einen Überblick über unterschiedliche paläozoische, mesozoische und känozoische Rifftypen (Mounds, Bioherme, Biostrome) und ihre Riffbildner (Algen, Bryozoen, Schwämme, Korallen, Serpuliden) in Österreich und Nachbarländern.

Sehr interessante Aspekte der rezenten und fossilen Riffökologie wurden in den beiden Hauptvorträgen angesprochen. Bob Stanton (Los Angeles) hob die Unterschiede im Nährstoffgehalt des Umwassers rezenter und fossiler Riffe hervor. Während rezente Riffe von hochspezialisierten zooxanthellaten Korallen (das von heisst solchen, die ihren Energiebedarf großteils mithilfe einzelliger, symbiontischer Algen im Gewebe decken) dominiert werden und daher bevorzugt in nährstoffarmen Umgebungen wachsen, waren fossile Riffe oft von vermutlich weniger hoch spezialisierten Korallen oder anderen Suspensionsfressern (z.B. Schwämme oder schwammähnliche Organismen) dominiert und daher oft in nährstoffreichen Gewässern zu finden. Bernhard Riegl (Dania, Florida) betonte die komplexen Auswirkungen der absehbaren Klimaerwärmung auf tropisch-subtropische Korallenriffe. Niederschlagsmenge und -häufigkeit werden genauso zunehmen wie die Zerstörungen durch tropische Wirbelstürme. Geographische Unterschiede sind aber absehbar: Gerade in höheren geographischen Breiten könnten Riffe von starken klimaverursachten Zerstörungen verschont bleiben.

Die beiden Exkursionen hatten fossile Riffe in Österreich zum Thema und wurden von jenen Wissenschaftlern hervorragend geführt, die diese Riffe auch bearbeitet haben (Mathias Harzhauser, Leopold Krystyn, Werner Piller, Bernhard Riegl, Robert Stanton).

Die Vorexkursion führte zuerst zum mittelmiozänen Leithakalk des Wiener Beckens. Dieser ist einerseits ein hervorragendes Beispiel für die auch in heutigen tropischen und subtropischen Flachwasserriffen typische Dominanz von corallinen Rotalgen und Steinkorallen (in diesem Fall vor allem Porites). Andererseits zeigt sich in diesem Aufschluss deutlich, dass viele gerüstbildende Organismen nicht Riffe im engeren Sinne bilden, sondern eher einer vorgegebenen Meeresbodentopographie folgen, also Biostrome darstellen. Danach besuchten wir bisher kaum beachtete mittelmiozäne Serpulidenbioherme des Sarmatmeeres. Aufgrund der Ökologie der Serpulidengattung Hydroides wird dieses Meer mittlerweile als stark eutroph (nährstoffreich) interpretiert.

Die Nachexkursion führte zu einem der bedeutendsten Obertriasriffe der Welt, dem Steinplatteriff im Grenzgebiet zwischen Tirol, Salzburg und Bayern. Der Hauptteil des vermeintlichen Riffes ist ein mächtiger schlamm- und schuttdominierter Mound, welcher von einer relativ dünnen Lage mit Steinkorallen, Schwämmen und Muscheln bedeckt, und Teil einer imposanten Karbonatrampe ist. Die Obertrias markiert den ersten großen Aufschwung der Steinkorallen in der Erdgeschichte und es konnte zum Beispiel in Adnet anschaulich diskutiert werden, ob die vorwiegend ästigen Korallen bereits zooxanthellat waren oder nicht.

Die Frage zukünftiger Aktivitäten wurde am Ende des Meetings kurz andiskutiert. Eine lose organisierte österreichische Riffgesellschaft wird anvisiert, voraussichtlich unter dem Titel "AustroReef". Unter diesem Titel werden wir versuchen ins Internet zu gehen. "AustroReef" soll allen RifforscherInnen in Österreich und all jenen, die in irgendeiner Form mit Österreich assoziert sind, als Plattform für den Informationsaustausch dienen. Besonders wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, dass Bio- und GeowissenschaftlerInnen diese Plattform gemeinsam nutzen. Daher wird eine enge Kooperation mit dem Verein "ProMare" angestrebt. Ein anderes wichtiges Anliegen ist die enge Kooperation zwischen den verschiedenen Universitäten Österreichs. Da wir, gemessen an internationalen Standards, eine kleine, aber sehr produktive und lebendige "Riffcommunity" sind, sollten wir versuchen eng zusammenzuarbeiten


Martin Zuschin

06.2003





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"Another Holidays on Sea"

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Forschungsreise zu den Hydrothermalquellen der Tiefsee im Pazifik

Am 21. 11. 2002 war es wiedereinmal soweit: 3 österreichische Meeresbiologinnen brachen nach Puntarenas, Costa Rica, auf, um dort auf die R/V Atlantis, eines der modernsten und bestausgerüsteten Forschungsschiffe der Welt, einzuschiffen. Eingeladen von Prof. Charles Fisher, Pennsylvania State University, und Prof. Colleen Cavanaugh, Havard University, wurde diese Ehre diesmal Prof. Monika Bright, Mag. Andrea Nussbaumer, und auch mir, Julia Zekely, (Abteilung Meeresbiologie, Wien) zuteil.

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Mit an Bord hatten wir Alvin, ein bemanntes U-Boot mit einer unglaublichen Tauchleistung von bis zu 4500m Tiefe. Bei unserer Reise wurde es genutzt, um zu den Hydrothermalquellen in 2500mTiefe, bei 9050N, 104017W, ca. 800km vor der Küste Mittelamerikas zu tauchen und Tiermaterial, Basalt, Sulfid etc. für weitere Untersuchungen zu sammeln. Weiters ist Alvin mit vielen Kameras ausgerüstet, um das immer noch weitgehend unbekannte Leben dieses faszinierenden Lebensraumes zu dokumentieren.

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Die Mannschaft setzte sich aus 18 WissenschaftlerInnen, 8 Mann Alvin Besatzung (Piloten und Piloten in Ausbildung), einem Fotografen und 25 Mann/Frau Schiffsbesatzung zusammen. Obwohl viele sich vorher nicht kannten und wir doch 3 Wochen auf hoher See und engstem Raum verbrachten, kamen wir alle wunderbar miteinander aus und hatten trotz viel Arbeit auch Spaß.

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Der Tagesablauf verlief jeden Tag gleich: ca. 8 Uhr taucht Alvin mit einem Piloten und 2 WissenschaftlerInnen ab in die Tiefe. So ein Tauchgang dauert ca. 7-8 Stunden (1,5 Stunden abtauchen, bis zu 5 Stunden sammeln, filmen, etc. und dann wieder 1,5 Stunden auftauchen). Die Hydrothermalquellen sind quasi unterseeische Vulkane an sogenannten Spreizungszonen, dort, wo die Kontinentalplatten auseinender driften. Heißes, schwefelreiches Wasser mischt sich mit kaltem Umgebungswasser. Diese extremen Lebensbedingungen haben einen außergewöhnlichen Lebensraum kreiert, der sich v.a. durch Riesenröhrenwürmer und riesige Muschelaggregationen gekennzeichnet. Mit Alvin hat man die Chance diese Tiere hautnah zu erleben.

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Tagsüber hatten wir Zeit die Proben vom vorherigen Tag fertig zu bearbeiten, sofern man dazu nicht schon die Nacht bis in den frühen Morgen genutzt hat. Außerdem gab es täglich einen Vortrag von jeweils einem Teilnehmer, zumeist über das jeweilige Arbeitsgebiet und den Stand der Forschung. Gegen fünf Uhr tauchte Alvin wieder auf, mitsamt dem gesammeltem Material, das schon sehnsüchtig erwartet wurde und entweder gleich bearbeitet, oder im Kühlraum für den nächsten Tag deponiert wurde. Gegen 19 Uhr gab es dann noch eine Nachbesprechung des Tauchganges und einen Plan für den nächsten Tag. Diese Besprechung war zumeist sehr spannend, da hier die "TaucherInnen" für die nächsten 2 Tauchgänge genannt wurden. Diesmal hatten wir extrem viel Glück, da sowohl Monika, Andrea und auch ich einen Tauchgang mit bekamen. Für mich war es nicht nur der 1. Tauchgang, sondern sicher auch das unglaublichste Erlebnis meines Lebens. Dieses "1. Mal" wird immer gebührend mit einer "Taufe" gefeiert, zumeist mit einer kalten Wasser-, oder auch Limonadendusche, je nach Einfallsreichtum.........

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Genauere Informationen über die verschiedenen Forschungs- und Arbeitsgruppengruppen und mehr Fotos gibt es auf

www.hydrothermalvent.com

Nach 3 interessanten und lehrreichen Wochen liefen wir wieder in Puntarenas ein. Das Erlebnis, auf dieser Forschungsreise dabei gewesen sein zu dürfen, war unbeschreiblich großartig und ich danke allen, v.a. Monika und Chuck Fisher, die es mir ermöglicht haben.


Julia Zekely

06.2003