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Jörg Ott und Thomas Buchholz, Abteilung Meeresbiologie, Universität Wien "....wo sind sie geblieben?" (Teil2) Eine der häufigsten Fragen, die an Jörg von Studenten gestellt wird, ist: "....wo sind sie geblieben? Was passiert mit den österreichischen MeeresbiologInnen, wenn sie ihr Studium beendet haben?". Hier ist nun die Fortsetzung dieser neuen Serie unseres Pro Mare-Newsletters, in der junge österreichische MeeresbiologInnen diese Fragen selbst beantworten. Selbstverständlich schlagen nicht alle eine Karriere in der Meeresbiologie ein, die es doch bedingt, das Heimatland zu verlassen und in Ländern mit Meeresküsten Arbeit zu suchen. Ein Teil unserer AbsolventInnen findet mit der guten Ausbildung, die sie während Diplomarbeit oder Dissertation genossen haben, einen Job in anderen Berufen. Hier sollen aber jene zu Wort kommen, welche die Hartnäckigkeit und das notwendige Glück der oder des Tüchtigen hatten, nicht von dem Traum zu lassen, der sie bewogen hat, dieses von vielen belächelte Studium in einem Binnenland einzuschlagen. Im letzten Pro Mare-Newsletter (05/2004), in dem die neue Serie begonnen wurde, können Sie nachlesen, was uns dazu bewogen hat, die Auswahl an Berichtenden auf junge Post Doc´s oder auf diejenigen zu beschränken, die erst seit wenigen Jahren eine Anstellung mit Karriereaussicht haben. Diese neue Serie wurde im Pro Mare-Newsletter von Mark Hartl, der gegenwärtig Lecturer an der University of Cork (Irland) ist, begonnen und wird nun von Astrid Schnetzer fortgesetzt, die seit Februar letzten Jahres als Postdoctoral Research Associate der University of Southern California angestellt ist. Astrid hat uns keine Fotos von sich mitgesandt, was auch unnötig ist, denn es genügt der Verweis auf ihre wunderschöne homepage (http://www.usc.edu/dept/LAS/biosci/Caron_lab/astrid.html), wo aktuellste Fotos von ihr, ihren hochdiversen Untersuchungsobjekten und von ihrer Forschungsreise in die Antarktis zu bewundern sind. Vor kurzem war sie übrigens gerade wieder auf Forschungsreise, und zwar nahm sie an der "Extrem 2004 Expedition zu den Tiefen der Ozeane" auf der R/V "Atlantis" teil. Bei dieser Expedition zu den mittelozeanischen Gebirgen des pazifischen Ozeans tauchte sie mit der "Alvin" zu den bis 2.500 m tief liegenden hydrothermalen Quellen, um dort das Leben an den heißen Quellen zu erforschen. Auf dieser Forschungsreise traf sie übrigens auch unsere ProMare Präsidentin, Monika Bright. Da die Koffer, Zargesboxen und Kisten noch nicht einmal richtig ausgepackt sind, können Sie sich im nächsten ProMare Newsletter auf einen Bericht über diese ereignisreiche Forschungsreise freuen. Da es sehr spannend ist, diese Berichte der Absolventen zu lesen und da und wir dankenswerter Weise bereits sehr viele dieser interessanten Schilderungen erhalten haben, möchten wir Ihnen den von Markus Weinbauer nicht vorenthalten. Es ist einfach zu köstlich zu lesen, wie er seinen Versuch beschreibt, auf Texel aus einer kulinarischen Verzweiflung heraus, Kren anzubauen. Ist er sich eigentlich bewusst darüber, dass unbemerkt vielleicht doch einige Samen, Ableger und Rettichpflänzchen überlebt haben könnten, und er somit dankenswerter Weise die Grundlage für Forschungsprojekte künftiger Meeres- und Hydrobotaniker gelegt hat, die als Untersuchungsfrage die Einwanderung eines Neophyten zu klären haben ? Gleichzeitig können Sie sich beim Lesen seines Textes davon überzeugen, wie es ausschaut, wenn die Rechtschreibereform konsequenter durchgezogen worden wäre. Die Kleinschreibung ist gewollt ! In den folgenden ProMare-Newslettern im Jahr 2005 können Sie sich weiterhin auf die Berichte von Martin Polz, Elisabeth Kaltenböck und Rainer Amon freuen, die ausführlich und in lockerer Art und Weise nicht nur die Frage: "....wo sind sie geblieben?" sondern auch die Frage "Warum sind sie es geworden?" für sich persönlich und für uns beantworten werden. Bleiben Sie schön neugierig !
Von der Nordadria (Mittelmeer) auf Bermuda (Nordatlantik), nach Los Angeles (Nordpazifik) und ein Abstecher in die Antarktischen Gewässer (Southern Ocean).... genau dies macht es so spannend in der Meeresforschung zu arbeiten. Walen jahrein und jahraus auf Segelschiffen zu folgen und ihr Verhalten zu studieren - das war die Berufsvorstellung die ich hatte als ich mein Interesse der Meeresbiologie zuwandte. Aber es brauchte nur meine Teilnahme an einem Kurs des Zoologischen Instituts der Uni Wien nach Rovinj (Kroatien) um meine Faszination von den Meeressäugern auf die unglaubliche Vielfalt der Organismenwelt in küstennahen Habitaten zu lenken. Dieses Interesse und ein brandneues Tauchzertifikat brachten mich für meine Diplomarbeit zurück nach Rovinj. Unter der Projektleitung von Dr. Jörg Ott unternahmen fünf Kollegen der Meereskunde in Wien und ich ein halbes Dutzend ein-bis zweiwöchige Forschungstrips an die Nordadria, wo wir untersuchten, wie sich die Sedimentation von Algenblüten auf die Lebensgemeinschaften im und auf dem Sediment auswirkt. Die Teilnahme an diesem Projekt hat in vieler Hinsicht den Grundstein für spätere Unternehmungen gelegt, da ich unter anderem Erfahrung in wissenschaftlichem Tauchen und der Anwendung analytischer Methoden sammelte. Noch vor Abschluss meiner Diplomarbeit nahm ich an einem einmonatigen Sommerkurs an der Bermuda Biological Station for Research teil. Schon nach wenigen Tagen Aufenthalt und der Entdeckung der Organismenwelt der Sargassosee und der umliegenden Korallenriffe stand fest, dass dies und nur dies der richtige Ort Für eine Dissertation sein kann. Natürlich hatte das rein gar nichts mit dem subtropischen Klima zu tun (!) - ich hatte mein Herz an Open Ocean Zooplankton verloren. Dr. Gerhard Herndl erklärte sich bereit meine Dissertationsbetreuung zu übernehmen und drei Jahre später fand ich mich auf Bermuda wieder, wo es mir vergönnt war mit Dr. Debbie Steinberg an "vertically migrating crustaceans" zu arbeiten. Bis zur Hälfte aller planktonischen Organismen wandern bei Nacht an die Wasseroberfläche um zusätzliche Nahrung zu finden und bei Sonnenaufgang sinken sie auf mehrere 100 Meter Tiefe zurück, wo sie den Tag in Dunkelheit verbringen. Diese Migration findet alle 24 Stunden statt und viele Zooplanktonarten wie Schnecken, Pfeilwürmer, Quallen, Rippenquallen und Crustaceen sind daran beteiligt. Wissenschafter haben versucht dieses Phänomen zu erklären und höchstwahrscheinlich ist die Vermeidung von Fressfeinden wie Fischen, die ihre Beute mit den Augen ausmachen, einer der Hauptgründe für viele Tiere jeden Morgen in die Tiefe zurückzukehren. Für ungefähr zwei Jahre fuhr ich jeden Monat Für mehrere Tage mit der Weatherbird aus um während der Nacht Plankton zu sammeln das aus der Tiefe kommt. Ein Netz mit 2 m Durchmesser und 35 m Länge brachte in jedem Planktonzug Organismen an die Oberfläche die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Von Aallarven, Tiefseegarneelen, Drachenfischen, Anglerfischen bis zu bizarren Crustaceenlarven. Mit Abstand einer der tollsten Erfahrungen in meinem Leben. Meine Aufgabe war es zu untersuchen wie sich die Migration häufig vorkommender Arten auf den Material - und Energiefluss in der Sargassosee auswirkt und welche Beuteorganismen in erster Linie am Speiseplan stehen. Beuteorganismen - damit waren in erster Linie einzellige Algen und Protozoen (Ciliaten, Flagellaten) gemeint, die aufgrund ihrer geringen Größe oft schwer zu beschreiben oder zu untersuchen sind. Und dies brachte mich zu meiner momentanen Faszination an Organismen zu arbeiten), die wieder um einiges kleiner sind als Crustaceen. Nach Abschluss meiner Dissertation gelang es mir ein Postdoktoratsstipendium (Erwin Schroedinger Stipendium) vom Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung zu erhalten. Das Stipendium ermöglicht Doktoranden neue Fertigkeiten an einer Auslandsuniversität zu erlernen und diese Fertigkeiten waren in meinem Fall molekulare Methoden zur Beschreibung von Biodiversität in Mikrobiellen Gemeinschaften - dies inkludiert Algen und Protozoa. In den letzten beiden Jahren habe ich nun das Handwerk des Klonen und Sequenzierens in Dr. Dave Carons Lab an der University of Southern California in Los Angeles erlernt und ich verwende diese Methoden in Kombination mit traditioneller Mikroskopie um Veränderungen in der Planktongemeinschaft in Abhängigkeit von Fressfeinden wie Crustaceen zu analysieren. Letzten Herbst habe ich in diesem Zusammenhang auch an einer Forschungsreise Richtung Antarktis teilgenommen, wo es galt mikrobielles Leben im Eis und Wasser zu beschreiben. Eine phantastische Reise - ich hatte keine Ahnung wie artenreich und atemberaubend Eis sein kann. Seit Februar diesen Jahres bin ich nun als Postdoctoral Research Associate der University of Southern California angestellt und neben trophischen Studien widme ich mich der Untersuchung von küstennahen toxischen Algenblüten - wer weiß wohin es von hier aus noch gehen wird. Mein Job hat mich bis jetzt vom vertrauten Mittelmeer, zum Inselleben in "slow motion", zum hektischen Leben an der Küste von Los Angeles, zur respekteinflößenden Schönheit der Antarktis geführt ....immer wieder Überraschungen und immer wieder Staunen über die Vielfalt an Leben, die jedes dieser Ökosysteme birgt. Ich nehme jede Gelegenheit war mich auf Konferenzen mit Kollegen von der Uni Wien zu treffen und habe es mir zur Gewohnheit gemacht die Marine Department und ProMare Webpage in regelmäßigen Abständen zu besuchen. Jeder meiner Betreuer, Lehrer und Kollegen hat mir auf meinem Weg mit Rat und Tat zur Seite gestanden und ich möchte diese Gelegenheit nutzen um mich dafür zu bedanken. Immer mehr meiner eigenen Zeit ist nun dem Unterrichten und dem Mentoring von Undergraduates und Graduates gewidmet und ich versuche so gut ich kann meine Passion für die Meeresbiologie zu teilen.
Markus Weinbauer Ich bin von den Wiener meeresbiologen im ausland, die eingeladen wurden, ihren wissenschaftlichen lebenslauf für promare zu skizzieren, wahrscheinlich der dienstälteste (ich habe zusammen mit Sascha Steiner und Bernhard Riegl studiert), aber vielleicht ist das ja auch für so manche(n) interessant. Mein bericht hat eher persönlichen als wissenschaftlichen charakter. Verführt von den filmen und büchern Cousteaus (die bücher von Hans Hass kamen erst später) begann ich in Wien mein studium mit dem ziel meeresbiologe zu werden. Mein bruder hatte mich da hineintheatert. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Die feldforschung für meine diplomarbeit über hornkorallen (skelettchemie, biometrie, populationsdynamik) bei Branko Velimirov, die viel tauchen erforderte und erlaubte (anfangs noch ohne rettungsweste und mit einer schlecht funktionierenden reserve am tank), machte ich auf der meeresstation STARESO in Calvi auf Korsika. Auf der "insel der schönheit", erschloß sich mir die faszinierende welt der Mediterranen felsküsten. Diese küsten und ihre kultur sind für mich seitdem der inbegriff von zivilisation. In einer derartigen landschaft wollte ich mich einmal niederlassen. Wie man halt so träumt. Für meine dissertation, die ich 1991 begann, änderte ich meine forschungsrichtung drastisch in richtung der ökologischen role von bakteriophagen (viren, die bakterien infizieren). Die erkenntnis aus dem jahr 1989, dass viren im ozean abundanter sind als alle anderen lebensformen zusammen, ließ auf eine wichtige rolle im nahrungsnetz und in biogeochemischen zyklen schließen und erhitzte die gemüter der mikobiellen ökologen. Peter Peduzzi hatte ein FWF projekt über marine viren genehmigt gekriegt und akzeptierte mich als dissertanten. Die feldforschung führten wir an den meeresstationen in Rovinj und Aurisina durch; - Jugoslawien gab es damals noch. Nach über 10 jahren forschung in dem damals brandneuen gebiet ist natürlich vieles überholt, aber einige unserer publikationen werden immer noch zitiert. 1994 dissertierte ich in zoologie (!) bei Jörg Ott, der mein offizieller betreuer war. Im herbst desselben jahres machte ich mich auf nach Texas, um dort bei Curtis Suttle am Marine Science Institute in Port Aransas, Mustang Island, weiter ueber ökologische aspekte von bakteriophagen zu arbeiten. Da eine untersuchung der ökologischen effekte der UV strahlung nicht nur ein spannendes, aktuelles thema darstellte, sondern für indigene bakteriophagen gemeinschaften noch nicht durchgeführt worden war, ließ sich das forschungsprojekt fuer meinen postdoc rasch formulieren. Ich konnte zeigen, daß UV beschädigte phagen, die sich in bakterien im dunkeln nicht mehr replizieren konnten, unter lichtbedingungen in einem photoreaktivierung genanten prozeß vom bakteriellen wirt repariert wurden. Die phagen lysierten dann als dank dafür den wirt. Zusammen mit einer starken resistenz indigender phagen gegen UV bedingte DNA schäden scheint photoreaktivirung einer der hauptgründe dafür zu sein, daß viren in den UV durchfluteten oberen wasserschichten der ozeane existieren können. Kulinarisch war Texas ein jammer, mit ausnahme des exzellenten und billigen rindfleisches, einiger TexMex gerichte, crawfish bowl und den austern, shrimps und fischen aus dem Golf von Mexico. Wissenschaftlich war es eine große erfahrung, der stimulierende geist an amerikanischen instituten wird nicht grundlos gerühmt. Die mischung aus "laisse faire" und unterstützung, mit der ich und alle andern in der gruppe von Curtis behandeln wurden, hat mich stark geprägt und ich hoffe, daß ich ähnliches in meiner eigenen gruppe umsetzen kann. Daß George W. Bush zu dieser zeit governor von Texas war, ist nicht meine schuld. In Texas wurde mir das potential molekularer techniken bewußt, fragestellungen in der mikrobiellen ökologie zu beantworten. Im Jänner 1996 flog ich bei 25°C von Corpus Christi ab und kam bei -15°C in Frankfurt an. Kurzfristig (für ein paar monate) kamen in mir zweifel auf, ob meine entscheidung einen postdoc bei Manfred Höfle an der Gesellschaft für Biotechnologie (GBF) in Braunschweig anzunehmen, weise war. Ein freund hatte mir eine stellenausschreibung aus "Der Zeit" gefaxt und meine bewerbung war erfolgreich - krumm sind die wege vieler lebensläufe. In den über vier jahren, die ich an der GBF verbrachte, konnte ich mir einen guten überblick über molekulare methoden und ihre anwendungsmöglichkeiten in der mikrobiellen ökologie verschaffen. Von diesem wissen zehre ich noch immer. Obwohl ich nie über biotechnologische themen gearbeitet habe, sondern als ökologe in der sektion Mikrobiologie das kuriostätenkabinett darstellte, wurde mir klar, daß sich so manches umweltproblem (z.b. lokale verschmutzungen im boden durch organischen substanzen) tatsächlich und wahrscheinlich am schonendsten mit genetisch mabgeschneiderten mikoorganismen lösen läßt - das hätte ich mir zu Hainburgs zeiten nicht träumen lassen. Da sowohl die wetter- als auch die ernährungssituation in Norddeutschland qualitativ gesehen zu wünschen übrig ließ und humor vom schmäh red ich gar nicht- nicht einmal im keller zu finden war, beantragte ich ein TMR (jetzt Marie-Curie) stipendium, das ich dann auch erhielt, um am ozeanographischen institut in Villefranche-sur-Mer (nahe Nizza; Mediterrane felsküste!), die diversität des marinen bakterioplanktons und bakterielle life strategies zu untersuchen. Die forschungsaufenthalte in Villefranche und der kontrast mit Norddeutschland lieben meine ohnehin nicht schwach entwickelte frankophile ader ordentlich anschwellen. Die forschung im Plubsee und in der Ostsee (kein wirkliches meer) war zwar auch interessant vor allem die bedeutende rolle von phagen für bakterienmortaliät im anoxischen bereich war überraschend-, aber das meer bleibt eben das meer. Im April 2000 kam ich vom regen in die traufe. Ich begann einen postdoc bei Gerhard Herndl am Netherlands Institut for Sea Research (NIOZ) auf der holländischen insel Texel, wo der regen horizontal fällt und regenschirme überflüssig sind. War Braunschweig kulinarisch gesehen schon schlimm genug, so gab es wenigstens gutes brot und bier, und einen supermarkt mit vier sorten Grüner Veltliner für den G'spritzn und gelegentlich Österreichwochen. In Holland gab es nicht einmal das, der absolute kulinarische tiefstand, den ich je erlebte - vielleicht habe ich deswegen nie mehr als zwei tage hintereinander in England verbracht. In meiner kulinarischen verzweiflung ging ich soweit, kren aus Österreich zu importieren und auf Texel anzupflanzen - meine langjährige oberösterreichische specklieferantenin war völlig entsetzt als ich ihr erzählte, daß es auf Texel keinen kren gibt: "und wia essn de de wiaschtln?". Wenn der kren so wächst wie zuhause, wird bald nichts mehr übrig bleiben von der indigenen flora. Gerhard kannte ich von meiner zeit in Wien an der Abteilung für Meeresbiologie. Eines der forschungsthemen, die wir in seinem high-tech labor anpackten, war der einfluß von vireninfektionen auf die diversität des bakterioplanktons und die tatsächliche arbeit wurde von Christian Winter im rahmen seiner dissertation gemacht. Christian konnte zeigen, daß viren nicht nur die diversität der domäne Bacteria sondern auch die der Archaea beeinflussen, und daß vireninfektionen einem tageszyklus folgen (und einiges mehr). In den etwas mehr als 1 1/2 jahren, die ich auf Texel verbrachte, konnte ich an einem Eisendüngungsexperiment im Southern Ocean auf der Polarstern teilnehmen -nach vier wochen auf see ohne sichtung eines anderen schiffes beginnt man zu zweifeln, ob die emails, die man kriegt, nicht nur eine vorspiegelung des schiffscomputers sind- und nach Spitzbergen fahren, wo die sonne im sommer nicht untergeht - man kann auch noch um mitternacht walrosse beobachten fahren. Alles möglichkeiten dem wind und dem regen auf Texel zu entkommen. Die zusammenarbeit mit Gerhard hat es mir ermöglicht, richtige ozeanographische forschung zu betreiben. Mit Gerhard habe ich immer noch gemeinsame projekte, in den letzten beiden jahren waren wir auf drei cruises in den Nordatlantik und ins Mittelmeer und ein weiterer Atlantik cruise ist für dieses jahr geplant. Neben der faszination des meeres und der freude am finden und lösen wissenschaftlicher probleme, ist es die möglichkeit "fremde welten" zu besuchen und über gemeinsame arbeit ozeanüberschreitende freundschaften aufzubauen, die für mich eine wissenschaftliche laufbahn so attraktiv machen. Ich glaube nicht, daß es viele jobs gibt, in denen man seinen spinnereien so nachgehen und -geben kann wie in der wissenschaft. Im Jänner 2002 habe ich Holland verlassen um in Villefranche-sur-mer (Laboratoire d'Océanographie de Villefranche, LOV) eine stelle as französischer staatsdiener mit dem an k&k zeiten erinnernden titel Forschungsbeauftragter Erster Klasse anzutreten. Die einladung mich auf eine stelle am LOV zu bewerben, kam am tag nach meinem letzten forschungsaufenthalt - die erfüllung eines traumes begann sich abzuzeichnen. Die themen, die mich interessieren, sind die virendiversität und (immer noch) die rolle von viren im marinen nahrungsnetz, und die verbindung zwischen bakteriendiversität und ökosystemfunktionen (das schliebt auch bakterielle life strategies ein). Am LOV aber auch zusammen mit Karel Simek vom Hyrdologischen Institut in Budweis arbeite ich seit einiger zeit auch daran, die relative rolle von phageninfektionen und dem weidedruck durch flagellaten auf bakterielle diversität, produktivität und life strategies zu bestimmen. Auberdem versuchen wir in zusammenarbeit mit wissenschaftlern an der GBF (Dirk Wenderoth, Wolf-Rainer Abraham und Ken Timmis), metagenomanalysen (gemeinschaftsgenomanalysen) von viren und prokaryoten aus der tiefsee durchzuführen, um mehr ueber die biodiversität dieser mikoorganismen zu erfahren und genomanalysen für ökologische forschung zugänglich zu machen. Molekulare methoden erlauben eine erweiterung ökologischer fragestellungen auf eine art und weise, wie das früher einfach nicht möglich war. Die gen-phän verbindungen und ihre interaktionen mit der belebten und unbelebten umwelt sind jetzt zum erstenmal methodisch auf allen (oder zumindest den meisten) ebenen untersuchbar, auch wenn das das nicht immer einfach ist. Die genetik und die molekularbiologie interessieren mich zwar immer noch nicht brennend, aber es ist ganz klar, dass das wissen und die techniken von genetikern und molekularbiologen unser verständnis von biologischen vorgängen enorm bereichert haben - auch wenn die (ökologischen) aussagen dieser gruppe von biologen gelegentlich haarsträubend dumm sind. An den Mediterranen felsküsten kehre ich zu meinen wissenschaftlichen wurzeln zurück, da ich dieses jahr in zusammenabeit mit Pei-Yuan Qian von der Hong Kong University of Science and Technology begonnen habe, die bakteriendiversität auf oktokorallen zu studieren - unter anderem diejenigen arten, die ich während meiner diplomarbeit noch rein zoologisch untersuchte. Außerdem gehe ich im sommer vor dem mittagessen ein halbe stunde schnorcheln. Das gebietet dem wachstum meines bauches einhalt, während es das wachstum meines taxonomischen und ökologischen wissens über marine vielzeller fördert (den alten 1983er mittelmeerführer von Riedl finde ich immer noch ein highlight). Ein anderes projekt, in das ich involviert bin, befasst sich mit der interaktion von bakterien und korallen in tiefwasserkorallenriffen (ca. 200-1000m) und im herbst geht's nach Neukaledonien zu der größten lagune der welt. Corals meet microbes, oder umgekehrt, und die viren werden wir da auch noch hineinpacken. Ein grobteil meiner zeit wird zwar inzwischen vom projekte, forschungsberichte und reviews schreiben und von administrativen arbeiten konsumiert, aber es bleiben immer noch genügend interaktionen mit studenten, postdocs und anderen wissenschaftlern sowie forschungsfahrten übrig, um das gefühl aufrechtzuerhalten vom eigentlichen wissenschaftlichen prozeß nicht allzuweit entfernt zu sein. Zum erstenmal, seit ich in die ferne zog, habe ich nur mehr geringe kulinarische sorgen - kren werde ich trotzdem wieder anbauen müssen. Zwei österreichische postdocs, Andrea Malits und Martin Agis, beide absolventen der Wiener meeresbiologie, sorgen dafür, dass ich meinen dialekt nicht vergesse. Schweinsbraten und gesottenes schulterscherzel werden inzwischen auch an der Cote d'Azur zubereitet. Fürs Szegediner und das originale gulasch hab ich auch schon den Kotany paprika edelsüß importiert (unglaublich aber wahr, ich hab den auch im Port Aransas, dem texanischen equivalent von Grammatneusiedl, gekriegt!). Abgesehen davon ist essen in Frankreich untrennbar mit kultur verbunden, so wie's sein soll. Ohne das bild allzusehr strapazieren zu wollen, ist es doch so, daß sich für mich ein traum erfüllt hat: Expeditionen in unterschiedliche ozeane und länder und ein job in einem ozeanographischen institut am Mittelmeer. Da ich jetzt eine permanente stelle habe, kann ich natürlich auch gscheit daherreden und meinen senf verteilen. Aber ich glaube nicht, daß ich mich in meiner ansicht irre, daß es auch in unserer für ökologen immer schwieriger werdenden zeit möglich ist zu reüssieren, wenn man für neue entwicklungen offen bleibt und trotzdem seinem stern folgt (und a bißl glück hat). Eine publikationsliste führe ich nicht an, wenn wer was genaueres oder was generelleres wissen will, meine email adresse ist: wein@obs-vlfr.fr und die homepage ist: http://www.obs-vlfr.fr. |
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