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Daniel Abed-NavandiMikrobengärten in Meeressand

Ein ProMare Vortrag von
Dr. Daniel Abed-Navandi

Vizedirektor Haus des Meeres, Wien

Donnerstag, 24. Jänner 2008, 18:15, Hörsaal 2
BIOZENTRUM (UZA1) Althanstraße 14, 1090 Wien




 

maulwurfskrebs01_ Maulwurfskrebse sind häufige Bewohner von Meeres-Sedimenten, wo sie oft eine ökologische Schlüsselrolle spielen. Ihre Grabaktivität rührt aus ihrer Ernährung als Partikelfresser her. Um die Ernährungsbiologie dieser versteckt lebenden Tiere besser zu verstehen, wurden ihre komplexen Grabbauten untersucht. Ein rätselhaftes Merkmal in den Bauten mehrerer Arten sind Debris-Kammern - erweiterte Abschnitte des Baues, die mit organischem Material und/oder grobem Sediment gefüllt sind.

maulwurfskrebs02_ Zwei Hypothesen werden als Erklärung der Funktion dieser Ansammlungen seit längerer Zeit vorgeschlagen: Eine "Vorratskammer-Hypothese", die einen Ernährungszweck postuliert und eine "Deponie-Hypothese", die den Kammerinhalt als Ansammlung von Abfall interpretiert. Aufgrund eigener Untersuchungen vertreten die Wiener Meeresbiologen die Vorratskammer-Hypothese, als Funktion der Kammern wird die eines mikrobiellen Fermenters, in welchem die Krebse als Gärtner das Bestehen einer symbiotischen Beziehung mit Mikroorganismen fördern und dadurch deren enzymatische Fähigkeiten ausnutzen, angenommen.

maulwurfskrebs03_ Das Ziel der vorgestellten Studie war es diese Hypothese zu testen, symbiontische mikrobielle Gärten, analog den der Blattschneiderameisen wurden bis jetzt noch nicht für Crustacea nachgewiesen. Die Sediment-Umgebung der Krebse als auch der Inhalt und die Herkunft des Materials in den Kammern wurde beschrieben. Der Eintrag von organischem Material sowie die spezifischen Struktur der mikrobiellen Gemeinschaft als auch das Vorhandensein von Nährstoffen, die essentiell für Krebse sind, wurde dabei untersucht. In Laborexperimenten wurden die gärtnerischen Aktivitäten der Maulwurfskrebse beschrieben und ihr Effekt auf das physikalische und chemische Milieu, auf den Nährwert und auf das Entstehen der mikrobiellen Gemeinschaft dargestellt . Abschließend wurde auch untersucht, ob das in den Kammern aufbewahrte Material tatsächlich von den Tieren assimiliert wird.