Verein zur Förderung der Meeresforschung in Österreich
 
 
 Home arrow Archiv arrow Vorträge - Archiv arrow Der Elefant im Porzellanladen
Donnerstag, 19. Juli 2018
Mitglieder-Login
Anmelden
Der Elefant im Porzellanladen Drucken E-Mail
Fischerei in der Nordsee

 

 

Fischerei in der Nordsee

Ein ProMare-Vortrag von
Dipl. Biol. Jennifer Dannheim

Donnerstag, 26.01.2006 18:15, Hörsaal 1, BIOZENTRUM (UZA1) Althanstraße 14, 1090 Wien

jennyFischerei ist immer ein Eingriff in das Ökosystem. Dabei werden aber leider nicht nur Fische, sondern auch andere Meerestiere dem System entnommen, und somit wird der Lebensraum als Gesamtheit, v.a durch die eingesetzten Befischungsmethoden beeinträchtigt. Die fortschreitende Technisierung und Industrialisierung hat die Fangerträge in den letzten Jahren dermaßen gesteigert, dass die heutige Fischerei nicht mehr nachhaltig ist. Mittlerweile sind die meisten Fischbestände überfischt und stark in ihrem Bestand bedroht. Kaum ein Speisefisch stirbt heute noch eines natürlichen Todes in seinem Lebensraum, sondern landet auf dem Teller.

Aber nicht nur die Fischbestände werden in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der heutigen Fangmethoden wird selten noch nur das an Bord gehievt, was man eigentlich fangen wollte. So kommen auf 1 kg zu verkaufendem Fisch etwa 2-3 kg Tiere, die als wertloser Beifang, das sind Fische, die nicht vermarktungsfähig sind, Krebse, Muscheln, Seesterne und viele andere Tierarten, zum großen Teil tot oder verletzt, wieder ins Meer geworfen werden.

Weiters werden durch das Pflügen mit schwerem Fischereigerät und Schleppnetzen etliche Tiere, die im, direkt am Boden oder sogar mit dem Boden verwachsen leben, regelrecht "entwurzelt" (z. B. Würmer, Muscheln, Schnecken, Seeigel, Tiefseekorallen). Man rechnet ungefähr mit 6 kg solch "entwurzelter" und umgelagerter Bodentiere pro 1 kg Speisefisch.

Ein Beispiel für die Auswirkungen der Fischerei auf den Zustand von Küstenmeeren ist die Nordsee, die zu dem am stärksten befischten Gebiet der Erde zählt. Die ständige Umwälzung des Meeresbodens hat dazu geführt, dass langlebige Arten stark reduziert worden sind und opportunistische, kurzlebige Arten begünstigt werden.

Die Nordsee gleicht einem gepflügten Acker, dessen "Eichen und Buchen" schon vor langer Zeit gerodet worden sind und bei bestehender Fischerei kaum zurückkommen können und werden. In den letzten Jahren ist zum Glück die Besorgnis um den Zustand der Küstenmeere gestiegen und der Ruf nach einer nachhaltigen und ökosystemverträglichen Fischerei wird immer lauter...
...aber wie?